Die Überschrift zu den Ereignissen beim „58. Int. Osnabrücker ADAC Bergrennen“ lässt sich am besten anhand der in die Borgloher Schweiz vergebenen Prädikate FIA European Historic Hill Climb Championship (EHHCC), Deutsche Automobil-Berg-Meisterschaft (DBM), Belgische Berg-Meisterschaft, KW Berg-Cup und NSU-Bergpokal erklären. Und fortsetzen mit 112 auf Bestzeiten rennenden Aktiven aus zwölf Nationen. Zu denen sich weitere 25 Teilnehmer der Osnabrücker Erfindung E-Mobil Berg-Cup gesellten, der im GLP-Modus 2, also gemäß fest vorgegebener Sollfahrzeiten, ausgetragen wurde. Ein Auto davon, der brandneue Opel Mokka GSE Rally, wurde übrigens vom derzeit Dritten der Junior European Rally Championship, dem Saarländer Timo Schulz, pilotiert. Das nicht übergroße Rennfeld glänzte mit Qualität. Und eben mit Internationalität. Gelungene Beigaben wie Welcome-Abend, Pressekonferenz, professioneller Livestream, gigantischer VIP-Bereich plus umfassendes Show- und Rahmenprogramm rundeten das Motto „Cars & Fun“ passend ab. Wahre Scharen von Zuschauern honorierten die Vorarbeit der Mannschaft des MSC Osnabrück. Gemäß verschiedener Quellen sollen es über das Wochenende (07.-09.08.) rekordverdächtige knapp 40.000 gewesen sein. Beide Tage starteten programmgemäß um 8 Uhr, am Samstag gingen vier Trainingsläufe plus ein kleiner, freiwilliger Bonus über die 2,030-Kilometer-Strecke. Am folgenden Rennsonntag blieb es bei drei Auffahrten, von denen die schnellsten zwei in die Wertung eingingen. Der Verzicht auf Rennlauf vier bescherte ein angenehm frühes Rennende. Um 16:22 Uhr sprudelte die Gesamtergebnisliste aus dem Drucker. An die letzte Rückführung schloss sich die im VIP-Zelt durchgeführte Siegerehrung an. Zu erwähnen ist noch das Wetter. Das sich stets trocken mit Temperaturen zwischen angenehm und richtig heiß präsentierte. Und somit Intermediates und Regenreifen in die Transporter verbannte.
Genug der Vorreden, nun wollen wir endlich Rennen fahren! Also stellen wir für den NSU-Bergpokal die Ampel auf Grün. Das Training endet mit zwei ersten Rängen. Denn Jannik Hofmann und Jörg Höber setzen in 01:11,346 eine gemeinsame Bestzeit. Wobei Jörg den Uphöfener Berg viermal komplett erklimmen kann und Jannik nur dreimal. Ein Problem in der Kraftübertragung zieht Jannik im letzten Probe-Heat aus dem Verkehr. Zu Rennbeginn ist Jannik dann 1,153 Sekunden eher oben als Jörg. Dritter ist Christian Hindmarsh bei seinem ersten Gipfelsprint des Jahres. Ihm auf den Fersen sind Thomas Krystofiak und Andreas Kuhnert. Der zweite Run findet ohne Jannik Hofmann statt. Der gerissene Gaszug muss im Express-Tempo erneuert werden. Das gelingt nicht in der geforderten Zeit. Jörg Höber liegt zu diesem Zeitpunkt klar in Führung. Vor Christian Hindmarsh, dem Thomas Krystofiak bedrohlich nahe gerückt ist. Im Klartext sprechen wir hier über 0,249 Sekunden. Noch weiß niemand, dass der dritte Lauf das Finale ist. Jannik Hofmann ist nun wieder mit von der Partie. Jörg Höber lässt sich dadurch nicht beeinflussen, fährt wieder eine tiefe 1:11er Zeit. Aber über dem Auto von Jannik kreist noch immer die Defekthexe, sorgt für massive Schaltprobleme. Im Vergleich zum ersten Run kosten die über vier Sekunden und den möglichen Sieg. Immerhin rettet Jannik Platz zwei hinter Gewinner Jörg Höber. Den dritten Podiumsplatz schnappt sich Thomas Krystofiak im 1200C-Modell. Der schon in Auffahrt zwei zu langsamerer Gangart gezwungene Christian Hindmarsh muss auf Heat drei ganz verzichten. Er wird Vierter, Andreas Kuhnert Fünfter. Position eins der Klassik-Wertung sichert sich Jörg Höber. Mit ihm steigen Walter Voigt als Zweiter und Wolfgang Weigert als Dritter aufs Sonderwertungspodest. Klassikrang vier ist die Angelegenheit von Roman Szott.
Bleiben wir doch gleich klassisch, liebe Bergrennsportfreunde, sehen wir uns in den Hubraumabteilungen der vor 2000 vom Band gelaufenen Renner um. Unsere Tour beginnen wir mit den 1150ern.
Alle vier hier Eingeschriebenen haben für Osnabrück genannt. Doch die Defekthexe minimiert das Feld um Bernd Deutsch auf besonders fiese Art und Weise früh. Schon auf der Anfahrt zu „Cars & Fun“ befällt sie das als Zugauto dienende Wohnmobil, macht die Weiterfahrt unmöglich. Also bleiben drei. Die sortieren sich wie folgt: Tobias Stegmann agiert im Schneider Audi 50 souverän an der Spitze, gefolgt von Rolf Rauch (Fiat 128 Rally) und Jennifer Kaufel-Meier im Fiat Abarth 1000 OT. Da allesamt mit 8-Ventil-Motoren ausgestattet sind erübrigt sich eine gesonderte Betrachtung der KW 8V-Trophy.
Einmal mehr stellen die 1,4-Liter mit zwölf Autos die stärkste Klasse. Ganz vorne lässt Tobias Mayer im VW Minichberger Scirocco 16V zu keiner Zeit Zweifel an seinen Sieg-Ambitionen aufkommen, glänzt mit Top-Zeiten und gewinnt am Ende unangefochten. Im Verlauf des Trainings verbessert sich Philipp Plein von 1:13,305 bis auf 1:08,213. Damit ist er im VW Polo 8V Zweiter vor Markus Hülsmann (VW Golf 1 16V). Die genannten Top-Drei haben die ganze Veranstaltung über Bestand. Dabei ist es anfangs richtig eng. Die Positionen drei bis sieben liegen in einem schmalen Fenster von 0,708 Sekunden zusammen. Das umfasst Fabian Gerker (VW Golf 1), Frank Lohmann (VW Polo), Jörg Davidovic (NSU TT 16V) und Simon Markert im VW Schneider Polo.
Am Rennende sind die Positionen etwas umgestaltet. Jörg Davidovic ist auf die Vier nach vorne gesprintet, Frank Lohmann agiert als stabiler Fünfter. Fabian Gerker rutscht in diesem Spiel um Hundertstelsekunden auf Schlussrang sechs zurück, Simon Markert bleibt Siebter. Das 1400er KW 8V-Trophy Podium besteht aus Gewinner Philipp Plein, Frank Lohmann und Fabian Gerker. Die Ehrenplätze vier und fünf der Sonderwertung mit den roten Startnummern gehen an Simon Markert und Leon Berchem mit seinem Citroen AX GTI. Mitfavorit Nils Abb, der Klassenvierte des Trainings, ist leider bei der Vergabe der Pokale schon ab Run eins nicht mehr dabei. In der ersten Links, die auf die Startgerade folgt, schlägt er wegen eines Bremsversagens mit seinem VW Schneider Polo 8V heftig in die Reifenketten ein. Nils bleibt unverletzt, trägt nur leichte Blessuren an Schulter und Knie davon, die er selbst als „die üblichen Begleiterscheinungen“ bezeichnet.
1,6- und 2-Liter wetteifern am Uphöfener Berg gemeinsam. Nach Wertungslauf eins liegen Werner Weiss im Ford Escort RS 1800, Marvin Ruwe im VW Minichberger Golf 1 GTI 16V und Tobias Auchter mit seinem 1600er Opel Spiess Corsa A GSI 16-Ventiler innerhalb von nur 1,031 Sekunden zusammen. Und auch Johann Hatezic hat im Opel Frank Ascona B 1,168 Sekunden hinter Tobi Auchter keinen unaufholbaren Rückstand. Und tatsächlich sprintet Johann im dritten Run auf Position drei nach vorne, überholt Tobias Auchter um 164 Tausendstelsekunden. Zugleich sichert er sich die 2-Liter KW 8V-Trophy Krone vor Sven de West mit seinem Opel Kadett C Coupé.
Auch aus den Klassen bis und über 3000 Kubikzentimeter muss eine Einheit gebildet werden. „Speedmaster“ aus der Schweiz hat hier in seinem Ford Escort Cosworth MB dank Turbopower und Allradtechnik alle technischen Trümpfe in der Hand, die er gekonnt zum Sieg ausspielt. Hinter ihm platziert sich Thomas Claus im 2,5-Liter Opel Kadett C Coupé 16V als Zweiter, André Bunte fährt seinen Sechszylinder BMW E30 auf Schlussrang drei. Im letzten Trainingslauf kommt Frank Bamberg in Kontakt mit den Reifenketten, muss sich danach mit seinem BMW E36 M4 R Coupé leider vom Wettbewerb abmelden.
Damit fliegender Wechsel in die Abteilung Performancefactor. Ein BMW-Cup-Trio (alle E36 325i) hat die Podiumsplätze fest im Griff. Allen voran Fabian Brügge, dem allerdings der amtierende Deutsche Berg-Meister Nick Mai im Training bis auf 0,185 Sekunden näher kommt. Fabian reagiert in Race-Heat eins mit einer supertiefen 1:08er Zeit, nimmt Nick 1,925 Sekunden ab. Der kontert in Run zwei, ist knapp flotter oben als Fabian, der allerdings die Führung klar behält. Damit sind die Top-Plätze vergeben. Dritter im BMW-Bunde ist Florian Wissing, der mit seinem neuen Fahrzeug immer besser vertraut wird. Die schnellsten Frontantriebspiloten sind Jürgen Fechter im Ford Fiesta ST als Vierter und Ralf Fladung mit seinem Peugeot 206 RC auf Rang fünf.
Gemeinsame Sache machen in Osnabrück auch die 5b und 5a. Zwei KW Berg-Cup Aktive gegen je einen Gast aus Belgien und Frankreich lautet hier die Besetzung. Im engen Fight um den Sieg kann sich Leopold Gast mit seinem Renault Clio 4 Cup um 1,058 Sekunden gegen Romain Fontanelle (Peugeot 205 Rallye) durchsetzen. Leider kann Leo seinen dritten Heat nicht nach oben bringen, eine Kollision mit Reifenketten stoppt ihn. Dritter wird Jean Francois Lepot (Peugeot 205), Vierter Roman Ahke mit seinem Opel Corsa B GSI.
Der 4b-Sieger kommt aus Belgien, führt dort die Tourenwagenwertung an. Die Rede ist von Christophe le Nouvel. Mit seinem Citroen AX GTI sprintet er knapp vor Jens Weber (Opel Kadett C 16V) her, ist trotz aller Bemühungen nicht ganz einzuholen. Auch nicht von Maximilian Gast, der seinen VW Golf Turbo auf Platz drei fährt.

Spannend präsentiert sich die 3b. Rene Frank setzt im Schnitzer BMW M3 E30 DTM die Trainings-Benchmark, vor Daniel Winkler (Audi RS 3 TCR) und Christian Fouquet im Subaru Impreza WRX STI. Rennlauf eins ändert das Bild. Leader ist nun Daniel Winkler, 0,908 Sekunden vor Rene Frank, in dessen Rückspiegeln bereits der WTCC BMW des Schweizers Manuel Santonastaso formatfüllend auftaucht. Der Eilgenosse schüttelt plötzlich 1:04er Zeiten aus dem Ärmel, zieht zuerst an Rene Frank und im Finale auch an Daniel Winkler vorbei zum Klassengewinn vor Daniel Winkler und Rene Frank. Christian Fouquet beendet sein Osnabrück Wochenende als Vierter, als Fünfter läuft Günter Miethke (VW Scirocco R-Cup) vor Karl-Heinz Müller im BMW M140i ein.
Die 2a-Speisekarte bietet einen Audi 80 Quattro Turbo im Lamborghini-Sandwich an. Michael Weber ist der Audi-Mann in der Mitte. Oben, also vor ihm, liegt im Huracan Super Trofeo Martin Jerman, der sich im V10-Sauger-Supersportwagen lediglich 4,759 Sekunden vor Michael Weber platzieren kann. Die untere Sandwichhälfte bildet mit deutlichem Rückstand der von Zdenek Kminek gesteuerte Gallardo GT3.
Der schnellste Tourenwagenpilot am Uphöfener Berg kommt aus der Tschechischen Republik. Das ist Dan Michl im Lotus Elise V8. Divisionsrang zwei sichert sich im Ford Escort Cosworth MB „Speedmaster“ aus der Schweiz. Auch mit den Positionen drei und vier bleiben wir im Land der Eilgenossen. Die Reihung lautet Sergio Kuhn im Peugeot 308 TCR vor Manuel Santonastaso mit seinem BMW WTCC. Als Fünfter ist Daniel Winkler im Audi RS3 TCR der erfolgreichste deutsche Tourenwagenpilot.
Nun gilt es bis Oberhallau, wo es ein absolut volles Haus geben wird, zu warten. Hoffentlich entstehen bis Ende August keine allzu argen Entzugserscheinungen. Aber selbst wenn das so sein sollte, Eichenbühl, St. Agatha und Mickhausen bieten weitere Top-Möglichkeiten, den Gänsehautmomente-Pegel noch vor dem Winter wieder auf ein genügend hohes Level zu steigern. Ihr macht doch dabei alle mit, liebe KW Berg-Cup und NSU-Bergpokal Fans und Freunde? Hab ich da laut „ja“ gehört? Das ist total cool, danke dafür!
Uli Kohl, 13.08.2026